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Gelungene Integration | Buchpräsentation von Waltraud Kis

Oktober 13 @ 19:00 - 21:00
Kostenlos – 10,00€

Referentin: Waltraud Kis

Moderation: Elfriede Gerdenits

 

Gelungene Integration

“Ein Sack voller ES”

 

Ein ungewöhnlicher Titel für ein Buch! Er nimmt Bezug auf die psychische Strukturtheorie Sigmund Freuds: Im Gegensatz zum ICH – dem bewussten Denken und Verstand – und dem ÜBERICH – den moralischen Vorstellungen und Normen, die durch Eltern und Gesellschaft geprägt werden – steht das ES für die tiefen Instinkte und Triebe des Unbewussten. Diese können Menschen in existenziellen Situationen aktivieren und begleiten. Ein Thema, über das in der Öffentlichkeit noch wenig Fachwissen vorhanden ist: das Schicksal unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Von 2015 bis 2025 stellten in Österreich 41.472 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (unter 18 Jahren) Asylanträge.

Waltraud Kis beschreibt in ihrem auf einer wahren Geschichte basierenden Roman *Ein Sack voller ES* mit bewegender Intensität das Leben junger Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchen. Die Autorin selbst betreut seit einigen Jahren einen minderjährigen Flüchtling und kennt die damit verbundenen Herausforderungen und Realitäten daher auch aus eigener Erfahrung.

Ihr Buch verfolgt das Ziel, Flucht, Ankommen und Integration nicht abstrakt oder ausschließlich politisch zu betrachten, sondern konkret und menschlich erfahrbar zu machen. Anhand der Lebensgeschichte von Karim eröffnet der Roman einen vielschichtigen Einblick in das Leben in Afghanistan – in Familie, Kultur, Religion, Geschichte und gesellschaftliche Strukturen – und zeigt zugleich, wie tiefgreifend der Bruch ist, den eine Flucht bedeutet.

Der Text macht sichtbar, dass viele Geflüchtete nicht aus wirtschaftlicher Not, sondern aufgrund existenzieller Bedrohungen ihre Heimat verlassen. Er führt die Leserinnen und Leser entlang der Gefahren einer Flucht, der oft übersehenen Jahre des Wartens und der Rechtlosigkeit in Transitländern sowie der Herausforderungen des Ankommens in Österreich.

Ein zentrales Anliegen des Buches ist es, Integration als gegenseitigen Prozess darzustellen: als Zusammenspiel von persönlichem Einsatz der Geflüchteten, strukturellen Hürden und der entscheidenden Bedeutung von Beziehungen, Begleitung und Unterstützung. Dabei werden auch die Perspektiven der Helfenden sichtbar – ihre Verantwortung, ihre Zweifel und Ängste, aber ebenso die Bereicherung, die aus persönlicher Begegnung entstehen kann.

Der Roman thematisiert Alltagsrassismus, Machtverhältnisse und bürokratische Willkür ebenso wie Hoffnung, Freundschaft und Solidarität. Er möchte Verständnis vertiefen, Vorurteile hinterfragen und zeigen, dass Integration dort gelingt, wo Menschen einander begegnen – jenseits von Zuschreibungen, aber nicht jenseits von Verantwortung.

 


 

Waltraud Kis lebt in Wien. Sie arbeitete viele Jahre mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, darunter zahlreiche junge Menschen mit Fluchterfahrungen, und leitete Deutschkurse für Geflüchtete.

Als Pflegemutter eines minderjährigen Flüchtlings kennt sie viele der geschilderten Erfahrungen aus nächster Nähe. Sie schreibt seit vielen Jahren – unter anderem Blogs, Fachartikel, Unterrichtsmaterialien und ein Schulbuch. “Ein Sack voller ES” ist ihr erster Roman.

 

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