Reden wir über Älterwerden und Abschiede, die niemand feiert I Diskussionsrunde

Reden wir über
Referentin: Eszter Dorner-Brader, Elfi Gerdenits
Moderation: Eszter Dorner-Brader, Elfi Gerdenits
Abschiede sind ein zentraler Bestandteil des Lebens. Neben dem Verlust von Menschen gibt es viele stille Abschiede, die besonders im höheren Lebensalter zunehmen: Das Ende von Möglichkeiten, körperlicher Selbstverständlichkeiten und biografischer Zukunftsbilder, für die es weder Rituale noch gesellschaftlich relevante Worte gibt.
Im Alter stehen Abschiede an, die sich nicht abrupt vollziehen, sondern schleichend ins Leben treten und dennoch tiefgreifende Auswirkungen auf Identität und Selbstverständnis haben. Der Wandel von Körperlichkeit und Sexualität, verlassen und verlassen werden, der Abschied von der Vorstellung, noch einmal einen neuen Lebenspartner zu finden.
Die vielfältigen Abschiede im Alter sollten nicht als persönliches Versagen oder Mangel verstanden werden, sondern als Ausdruck einer gelebten Biografie und eines langen Lebens. Sie markieren Verluste ebenso wie Klarheit, Begrenzung und bewusste Entscheidungen.
Was viele von uns beschäftigt, sind Fragen von Nähe, Beziehung und Alleinsein im Alter. Wenn Partnerschaft nicht mehr als zentrales Lebensziel gilt, gewinnen andere Formen von Verbundenheit an Bedeutung: Freundschaften, familiäre Beziehungen oder selbstgewählte Gemeinschaften. Auch das Alleinsein kann man als mögliche, frei entschiedene Lebensform betrachten, jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und verbreiteter Erzählungen vom späten Glück.
Wie immer schaffen wir in unserer Gesprächsrunde einen Rahmen, um Erfahrungen sichtbar zu machen, die viele teilen, aber über die sie selten offen reden.
Wir wollen das Älterwerden als Lebensphase verstehen, in der Abschiednehmen zur Würde gehört und Loslassen nicht als Scheitern, sondern als Teil von Reife, Selbstannahme und innerer Freiheit erkennbar wird.



